Jun 082011
 

Wegmarkierungen Bohusleden

Zum Ende des Artikels findet ihr eine kleine Diashow mit mehr Fotos!

Im Juni 2011 war es endlich soweit. Eine Idee, welche lange in meinem Kopf rumgeisterte, wurde in die Tat umgesetzt. Ich war in der Vergangenheit schon viel gereist, mit dem Auto, dem Fahrrad, dem Motorrad aber zu Fuß? Viel wurde in den letzten Wochen gelesen und im Internet gestöbert. Welcher Weg ist für Einsteiger geeignet, Tips und Tricks und Verhaltensweisen beim Wandern, Packlisten verglichen etc. Schließlich musste noch einiges an Ausrüstung besorgt werden. Obwohl ich schon seit Jahren fast ausschließlich campe, stellte diese Wanderung doch offensichtlich ganz andere Anforderungen an die Ausrüstung, war doch zu erwarten, dass wir größtenteils abgeschieden von der Zivilisation und jeglicher Versorgungsmöglichkeit unterwegs sein würden. Über 1000€ haben wir bei einem großen Outdoorausstatter gelassen. Gut, ein Großteil war für Julia, ein warmer Schlafsack, ein guter Rucksack und Klamotten, die sie nicht hatte und einiges war sicher auch dabei, was im Kaufrausch im Korb landete aber nicht hundertprozentig nötig war. Insgesamt haben wir diese Investitionen jedenfalls völlig unterschätzt. Unterschätzen wird übrigens ein zentrales Stichwort dieses Artikel werden……

Und so ging es ans Packen, mein Bruder hatte mir einen sehr guten Wanderrucksack geliehen. Dieser war allerdings auch sehr groß, und es passte sehr viel rein. Von meinen vielen Reisen mit dem Motorrad und dem Fahrrad weiß ich, dass man immer zu viel einpackt und wollte mich dieses mal wirklich beschränken und so flog auch bei den mehrfachen Kontrollen immer wieder das eine oder andere raus. Isomatten, Schlafsäcke, Zeltunterlage, Benzinkocher, Kochgeschirr, Besteck, Wasserfilter, Wassersäcke, Trinkflaschen, Klopapier, Feuchttücher, kleine Schippe, Miniaxt, Angel inkl. Hakenset, Grillrost, Outdoorhandtücher, Hygieneuntensilien, 1. Hilfepaket (wird noch eine wichtige Rolle spielen), Regenponchos (zusammengeknöpft als Zeltersatz, wird den erwünschten Zweck leider nicht ganz erfüllen), Gamaschen, Wandersocken, Wechselklamotten, Messer, Kompaß, Hut uvm….. aber wie viel kann man tragen? Und nicht zu vergessen, wir brauchten essen, für etwa 10 Tage, denn wir mussten möglichst unabhängig sein. Es sollte vereinzelt Möglichkeiten geben, seine Vorräte aufzufüllen, aber man kommt nicht ständig an einem Supermarkt vorbei. Also deckten wir uns mit Militärnahrung und Fertiggerichten (Instantnudeln, Tütensuppen, Kartoffelpürree, Hühnerbrühe), Bulgur, Pesto, Suppennudeln etc ein. Es sollte alles so leicht wie möglich sein, also keine Gläser und vieles wasserreduziert. Schließlich wog mein Rucksack 22,5 kilo und Julias 19 kilo. Dazu würden noch etwa 7 Liter Wasser jeden Tag kommen. Die Hoffnung war, es wird ja jeden Tag weniger…..

Die Reaktionen im Freundes- und Bekanntenkreis waren doch immer fast gleich, wenn wir erzählten, was wir diesen Sommer machen:

„Wir fahren nach Schweden.“
„Oh schön, Moped fahren oder habt ihr ne Hütte gemietet?“
„Wir wandern.“
„Was? Die ganze Zeit nur rumlatschen? Und wo schlaft ihr?“
„Wir schlafen, wo wir abends ankommen und wo es uns gefällt.“
„Ja in Hütten oder wie?“
„Nein unter freiem Himmel, aber wir nehmen noch Ponchos als Winschutz mit, außerdem gibt es dort Windschutzhütten, die sehen aus wie Bushaltestellen.“
„Ihr seid doch bekloppt!“

Nun zur Überschrift dieses Artikels, „Immer einen Fuß vor den anderen“, ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mir diesen Satz gesagt habe oder gerade am Anfang Julia damit versucht habe zu motivieren. Wenn man müde und erschöpft ist, verspürt man ständig dieses Verlangen anzuhalten, nur kurz durchzuatmen und dann geht es gleich weiter…. allerdings immer mit dem Ergebnis, dass man diesem Verlangen immer öfter erliegt und es einem immer schwerer fällt wieder weiterzulaufen….. daher sagte ich es mir immer und immer wieder selber:“Laufe langsam aber laufe, setze immer einen Fuß vor den anderen, erhole dich aktiv aber bleibe nicht stehen….“

Am 31.05.2011 war es schließlich soweit, 03.00 Uhr aufstehen um 04.00 Uhr losfahren nach Rostock, die Fähre geht um 8.

Mann_mit_Hut

In Trelleborg angekommen mussten wir noch bis Göteborg fahren zu einem Stadtteil oder Außenbezirk namens Lindome. Dort befindet sich dann der Einstieg in den Bohusleden. Das nächste Problem war allerdings, wo wir das Auto parken sollten. Die dortigen Parkplätze sind nachts verlassen und einzeln stehende Autos werden immer wieder aufgebrochen. Daher haben wir frech an einem Haus in der Nähe gefragt, ob wir unser Auto bei ihnen auf dem großen Grundstück abstellen dürfen. Man reagierte anfangs verständlicherweise verwirrt, willigte aber schließlich ein. Wir bedankten uns mit einer Flasche Vodka, die ich aus D mitgebracht hatte, denn Alkohol ist ja teuer in Schweden. Also gingen wir los zu unserem ersten Übernachtungsplatz, 2,7 km. Eine Windschutzhütte, schön auf einer Landzunge gelegen. Ich machte ein Feuer, filterte die ertsen Liter Wasser (ging erstaunlich gut), baute den Windschutz auf und wir aßen und saßen am Lagerfeuer. Schließlich gingen wir schlafen und es war Julias erste Nacht im Wald. Ich kenne die Geräusche und konnte recht gut einschlafen, bis ich irgendann von den legendären Worten:“Daniel, ich seh Augen…….rote Augen!“ geweckt wurde. Insagesamt hat sie diesen Urlaub nicht viel geschlafen glaube ich, auch wenn sie sich mehr und mehr an die Geräusche gewöhnte….. 😉

1_Rastplatz

1_Lager

„Wie weit wollt ihr denn so am Tag laufen?“
„Keine Ahnung, was man so schafft aber ich denke so gut 20km sollten drin sein!“

Sagte ich eingangs, dass Unterschätzen ein zentrales Thema des Urlaubs war? Hier ging es weiter. Klar kann man 20km mit Rucksack laufen, wenn es einigermaßen gerade ist. Auf ebenen Strecken haben wir auch immer gut Strecke gemacht und Schweden ist doch eigentlich recht platt….. Ja Berge gibt es wirklich nicht viele aber kleine Hügel und die gilt es immer rauf und runter zu laufen. Immer auf und ab, nur 20, 30 oder 40 Höhenmeter aber ständig im Wechsel und so wurde die erste Etappe (in der Broschüre als leicht eingestuft) mit ihren 19km zur ersten Hürde, die wir NICHT nahmen…. 😉 Mittags nach ca. 10km pflegten wir unsere ersten Blasen an einem schönen See und waren das erste mal gut fertig auf der Bereifung. Da sahen wir auch zum ersten mal Linda und Philip, wie sie locker flockig an uns vorbei liefen (wir sollten erst später erfahren, dass sie gerade erst 10 Minuten zuvor gestartet waren von zu Hause). Irgendwann nach 14km hat Julia gestreikt. Wir waren an einem See angekommen und sie meinte, sie läuft keinen Meter mehr. Ich machte mich dann auf die Suche nach einem passenden Lagerlatz. Das dauerte etwa 20 Minuten dann hatte ich einen Rastplatz am See Hörsickan gefunden, dort hatten auch Linda und Philip Pause gemacht und waren gerade dabei wieder aufzubrechen. Ich ließ meinen Rucksack stehen und holte Julia ab. Ich trug ihren Rucksack und sie schleppte sich hinter mir her, bis wir gemeinsam den Rastplatz erreichten. Dort hatten sich nun einige Leute mit Hunden versammelt und machten eine Hundeausbildung. War witzig anzusehen. Wir konnten uns überhaupt nicht mehr bewegen, alles tat weh und selbst Aufstehen war eine Herausforderung. Nach 2 Stunden war die Hundeausbildung vorbei und Julia machte sich ans Feuerholz. Geschlafen wurde hinter einem Poncho als Windschutz.

Blasenfüsse

Am 2. Wandertag hatte auch Julia eingesehen, dass sie das Blasenproblem unterschätzt hatte und es besser gewesen wäre, ihre Füße zu versorgen, bevor sich die ersten großen Blasen entwickelt hatten. Ein Problem, dass wir bis zum Schluß nicht mehr in den Griff bekamen. Wir liefen weiter bis Gunnebo am See Stensjön, wo wir an einem sehr schön restaurierten Schlößchen mit Park eine Pause in einem Cafe machten. Dort trafen wir Linda und Philip wieder. Sie hatten nur 2 km von uns entfernt gelagert und waren gerade mit dem Frühstück fertig. Wir unterhielten uns ein wenig und gaben ihnen ein paar Powerballs (wie wir sie später nur noch nannten, ein Renner im Tauschgeschäft). Sie liefen weiter und wir hatten unseren ersten echten Kaffee und eine super leckere Limonade. Zum Thema Kaffee, ich bin verwöhnt und hasse Instantkaffee und diese Cappuccinomischungen, die Julia sich jeden Morgen reingedreht hat waren grausam. Das Allerletzte allerdings war der Bundeswehrinstantkaffee. Ich habe es zweimal probiert und dann alle Tütchen entsorgt…..

Nach dem Frühstück ging es weiter, auf und ab, auf und ab bis wir schließlich am St.Delsjön einem riesigen See ankamen, der von vielen Göteborgern als Nahrholungsgebiet genutzt wird.

St Delsjön

Man kann sich Kanus ausleihen und ist nah an der Stadt und doch schon fast in der Wildnis. Und hier trafen wir…. na wen schon, Linda und Philip. Wir liefen ein Stück gemeinsam und unterhielten uns über die Tour und die Gegend. Es ist auch ihre erste Wanderung, sie wohnen in Göteborg und wollten alles testen und jederzeit die Möglichkeit haben nach Hause zu fahren. Schön, wenn man die Möglichkeit direkt zu Hause hat. An einem schönen Rastplatz am Westufer trennten wir uns, denn nun mußten wir Rast machen. Hier entschieden wir uns auch, an diesem See nach etwa 11 km an diesem Tag einen Pausentag einzulegen. Dies war so ziemlich die Beste Idee dieser Reise. Von dem von mir ausgesuchten Lagerplatz war Julia nicht begeistert. Er war auf einem Felsen gelegen, etwa 10 Meter über dem Wasser und so „ungünstig“, dass wir gleich drei Feuerstellen dort fanden… 😉 Nein, er war fast perfekt, er bot Platz zum Schlafen für zwei Personen (zwar nicht ganz gerade aber mit Rasen bedeckt), eine super Feuerstelle, trockenes Holz und eine herrliche Aussicht.

Der Windschutz war für Julia gedacht, wurde aber wieder abgebaut. Wir schliefen hier unter freiem Himmel, herrlich… bis Julia mich weckte, da wäre ein Tier… ich hörte es dann auch wie es laute Bellgeräusche machte und stampfend wegrannte….. das war wohl ein Wildschwein….

Den nächsten Tag lagen wir faul am See, in der Sonne und im Schatten, ich war zweimal im See schwimmen (scheiße war das kalt), hatten Kaffee und Cola und ich suchte auf einer Halbinsel einen schönen Lagerplatz. Wir bauten die Ponchos diesmal als Dackelgerage auf, da unsere Sachen in der Nacht zuvor durch Morgentau feucht geworden waren. Leider mußten wir feststellen, dass es auch in Schweden Schweine gibt…..

Muell2

Muell

Wir hatten wieder etwas unterschätzt, aber diesmal im positiven Sinne. Wir wußten, dass wir den Erholungstag brauchen aber hätten nie gedacht, wie viel uns das bringen würde. Die Füße taten nicht mehr weh (bis auf die Blasen, die sich aber auch erstmal beruhigt hatten) und auch die körperliche Verfassung hatte sich komplett gebessert. So machten wir uns frisch auf den Weg zu unserem dritten Wandertag.

Eins vorweg, wir schafften nach dem Pausentag ca. 22 km, am Abend waren wir ordentlich platt und das Gebiet war nicht mehr ganz so hügelig aber wir schafften sie und das gab uns neuen Mut. Der Körper hatte sich an die Belastung gewöhnt und wir hatten ihm Zeit gegeben, sich zu regenerieren.
Pause machten wir am See Stora Kasjön, wieder einem wunderschönen See mit öffentlichen Badestellen. Hier aßen wir etwas und führten ein sehr gutes Ritual ein, nämlich in der Mittagspause einfach mal ne halbe Stunde zu schlafen…… herrlich und gibt neue Kraft! Am Abend waren wir dann trotzdem ganz schön alle und auf der Suche nach einem geeigneten Lagerplatz. Ziel war laut Karte der Seee St Ramsjön. Das Wandererdorf „Freden“ stellte sich als herrlicher Lagerplatz mit Feuerstellen und Grillstellen, Toiletten und Windschutzhütten heraus, welcher von einem Wandererverein gepflegt und erhalten wird. Wir waren gerade angekommen und versuchten wieder zu uns zu kommen, als eine Horde Dänen um die Ecke bog. Später stellte sich heraus, dass es sich um Kletterer handelte, die super nett waren und wir hatten unseren einzigen Abend mit anderen Menschen zusammen. Wir lachten viel und bekamen Rotwein. Im Gegegnzug gaben wir Powerballs und Whisky aus dem Flachmann, beides kam sehr gut an und so saßen wir bis nachts um 1 am Lagerfeuer.

Wir schliefen die einzige Nacht in einer Windschutzhütte, bis Julia irgendwann gegen 4 Uhr merkte, dass ständig eine Wespe rein und raus flog. Sie flüchtete nun auf den Rasen und ich ging mit ihr, damit sie nicht alleine schlafen muss. So verbrachten wir wieder eine schöne Nacht im Freien. Am Morgen stellten wir fest, dass das blöde Vieh direkt unter dem Dach sein Nest baute….. mich hätte es nicht gestört aber Julia hat panische Angst vor den Viechern…..

Freden

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von den Dänen und liefen weiter. An diesem Tag passierte nicht viel, wir liefen und immer wieder wiederholte ich im Kopf:“Einen Fuß vor den anderen!“ Bei Angered schliefen wir dann an einer öffentlichen Badestelle am See Molnesjön. Dies war der unsauberste Ort, den wir in Schweden sahen. Das Ambiente war wie im Görlitzer Park, aber wir wollten einfach nicht mehr weiter laufen. Schade, denn wie sich herausstellte, wären schöne Lagerplätze gar nicht weit weg gewesen und wir hätten Linda und Philip schon an diesem Abend eingeholt….. Morgens wurden wir von beginnendem Regen geweckt. Da wir in einer kleinen Senke (windgeschützt) lagen, packte wir schnell unsere Sachen zusammen, bevor sich dort ein See bilden konnte. Zum Glück waren es nur ein paar Tropfen und es hört schnell wieder auf. Wir liefen aber trotzdem los, diesmal ohne Frühstück und beschlossen uns einen schönen Rastplatz zu suchen. Diesen fanden wir etwa 2 km weiter, wo zwei Schweden rasteten. Auch sie waren dabei ihr Equipment zu testen, da sie im Herbst den Kungsleden laufen wollten. Gerade die junge Frau schien sehr unerfahren im Outdoorleben und er, Ende 20, hatte seine letzten Erfahrungen während der Wehrpflichtzeit gemacht. Sie hatte absolut unpassendes Schuhwerk, ihre Rucksäcke waren zu klein, denn sie hatten gar nicht die Mengen Verpflegung dabei, die sie später brauchen würden….. wir unterhielten uns nett, während wir aßen und sie ihr Lager abbrachen. Wir wünschten ihnen Glück auf ihrer Wanderung! Wir liefen an diesem Tag ca. 13km. Im Ort Bohus machten wir Mittagspause und schliefen wieder auf einer Wiese. Später gingen wir dann weiter nach Kungälv, Dahinter im Nationalpark Fontin trafen wir wieder auf Linda und Philip. Wir hatten sie also nach drei Tagen eingeholt. Auch sie waren von dem Weg gezeichnet aber tapfer durchgelaufen, wir tauschten Blasenpflaster gegen Powerballs und Emailadressen und nahmen uns vor, uns die Tage wieder zu treffen. Sie mussten dann weiter, da sie sich am nächsten Tag mit Freunden an einem bestimmten Punkt treffen wollten. Wir machten uns auf die Suche nach einem Lagerplatz und fanden Kulebacka, einen alten Bauernhof, der nun für Schulen und Jugendreisen als Naturklassenzimmer genutzt wird und auch Wanderern wie uns eine Windschutzhütte bietet. Es gab dort auch zwei Wasserhähne, allerdings nur mit Vierkant und wir hatten kein Multitool dabei. Julia kam auf die grandiose Idee, den Vierkant mit der kleinen Öse eines Karabinerhakens zu bewegen. So konnten wir uns waschen und hatten ausreichend Wasser zum Kochen und Trinken. Ich machte mit dem trocken gelagerten Feuerholz ein schönes Feuer und so genossen wir unseren letzten Abend auf dieser Reise, bevor wir uns in die Hütte zum Schlafen legten.

Kullebacka

Geweckt wurden wir von einem Schaben und Kratzen, offensichtlich hatten wir einen Übermieter, einen Marder oder etwas ähnliches im Dach, der nachtaktiv und nun wach war. Schließlich ging er auf Jagd und wir konnten schlafen in dem ruhigen Gewissen, dass wohl Mäuse, Schlangen oder ähnliches hier kein Problem für uns sein würden….. der Übermieter sorgte schon dafür, dass sein Revier sauber bleibt….. Geweckt wurden wir um 7 Uhr von einem Auto mit zwei Lehrerinnen, die uns willkommen hießen und uns mitteilten, dass um 8 Uhr eine Schulklasse zum Unterricht erscheinen würde. Sie entfachten ein frisches Feuer und bereiteten alles für den Unterricht mit den Mäusen vor. Wir hätten gerne in die kleinen Gesichter geschaut, wenn sie das Feuer sehen und die Lammfelle, Abenteuer pur…. In der Nacht hatte es ein Gewitter gegeben und mein Handy prophezeite etwa 3 Tage mit Regen und Gewitter. Meine Zeltlösung mit den Ponchos war zwar gut als Windschutz würde aber starkem Regen nicht standhalten. Zudem waren an den neuen Ponchos schon Knöpfe abgerissen (mal sehen, was der Laden dazu sagt). Julias Füße wurden nicht besser, immer wenn eine Blase abgeheilt war, kamen ein oder zwei neue dazu. Eigentlich würde jetzt der schönere Teil des Weges beginnen, noch abgeschiedener von Ortschaften, aber genau das machte uns in Bezug auf die Wetteraussichten und die Schlafmöglichkeiten unsicher, ob es klug wäre nun weiter zu laufen. Wir entschieden uns, die Tour nach fünf trotz aller Strapazen sehr schönen Wandertagen und insgesamt einer Woche in Schweden abzubrechen. Wir hatten unsere ersten Erfahrungen gemacht und ich bin mir sicher, es war nicht der letzte Wanderurlaub. Beim nächsten mal wird die Ausrüstung optimiert und die Strecke realisitscher eingeschätzt. So machten wir uns nach ca. 75 gelaufenen Kilometern auf nach Kungälv, von dort mit dem Bus nach Göteborg und dem Zug nach Lindome, unserem Startpunkt. Wir holten unser Auto ab und fuhren zur Fähre, mit dieser über Nacht (mit Kabine zum Duschen, ui das war nötig) nach Rostock und schließlich nach Berlin.

Erfahrungen und Lehren aus dem Trip:

– Nehmt nur mit, was ihr wirklich braucht! Fragt euch nach jeder Reise, welche Ausrüstungsgegenstände ihr nie in der Hand hattet und rationalisiert sie konsequent weg. Gerade die kleinen Dinge summieren sich im Gewicht, stehlen Platz und sind imemr im Weg, man glaubt es kaum!

– betrifft den Bohusleden speziell: Verpflegung könnt ihr in den ersten Tagen nachkaufen. Hier braucht ihr nur Verpflegung für 4-5 Tage. Hinter Kungälv werden die Ortschaften rarer, also deckt euch hier für weitere 5-6 Tage mit Verpflegung ein. Es ist allerdings nicht notwenig schon von Anfang an für 10-12 Tage Verpflegung mitzuschleppen!

– Blasen: Sporttape ist das wohl wichtigste auf solch einer Reise! Nehmt ausreichend mit (mindestens eine Rolle pro Person)! Taped schon vor der ersten Tagesetappe die wichtigen Stellen: Fersen, Fußballen, kleiner und großer Zeh. Sobald es irgendwo reibt und leicht wund wird, sofort mit Blasenpflastern abkleben, z.B. Compeed oder ähnliches. Diese wirken wie eine neue Haut und ermöglichen es der wunden Stelle, sich zu regenerieren. Die Reibung findet dann auf dem Pflaster bzw. Tape statt und die Haut wird nicht mehr angegriffen. Man verhindert so auch aufgrund der Blasen unnatürlich zu laufen (Schonhaltung) und damit Gelenke, Sehnen und Muskeln, falsch zu belasten, was zu neuen Problemen führen kann.

– Sockenwahl: Wir hatten spezielle Meindl Wandersocken, das war aber nicht die beste Lösung. Bei Gesprächen mit anderen Wanderern stellte sich heraus, dass ein paar sehr dünne Socken getragen werden sollten und darüber Wandersocken. So reduziert sich ein Teil der Reibung, diese findet dann zwischen den Socken statt. Auf jeden Fall darauf achten, dass die Socken möglichst trocken bleiben, mehrfach am Tag wechseln (dazu waren wir zu faul, werden es aber zukünftig machen).

– Pausen: Sie sind super wichtig zur Regeneration. Den ersten Tag betont langsam angehen, deutlich vor der Erschöpfung campieren, der Körper muss sich erst an die neue Belastung gewöhnen. Am zweiten Tag darf man sich dann schon austesten und einen Tag Pause darf man sich am 3. oder 4. Tag gönnen. Danach ist man soweit an die Belastung gewöhnt und hat seinen Körper so gut kennen gelernt, dass man alles weitere nach körperlicher Verfassung spontan planen kann.

– Ehrgeiz: Für uns war von Anfang an klar, dass dies kein Rennen wird und wir dort schlafen, wo es uns gefällt und wo wir müde sind. Trotzdem haben wir uns dabei erwischt, wie wie zumindest unterbewußt ehrgeizig Strecke machen wollten. Es ist Urlaub, also versucht diesen Ehrgeiz so klein wie möglich zu halten, ohne den ganzen Tag zu vertrödeln.

– Wasserfilter: Ist zumindest auf unseren Etappen nicht notwendig gewesen. Das Wasser in den Seen (nicht an den ganz kleinen Tümpeln) ist so sauber, dass wir es ab dem dritten Tag pur getrunken und zum Kochen benutzt haben.

– Spurenelemente: Ich bein kein Freund von diesen Magnesiumtabletten etc. Die Wanderung aber hat so viel Flüssigkeit aus meinem Körper gespült, dass ich am zweiten Tag bereits Ansätze von Muskelkrämpfen hatte. Ich habe dann brav Magnesium genommen und dieses Problem war erledigt. Wer also auf einer solchen Wanderung nicht die Möglichkit hat, regelmäßig durch Obst und andere frische Nahrung diese Spurenelemente aufzunehmen, sollte sich nicht vor der Einnahme von Ersatzpräparaten scheuen! Außerdem gibt es dem Wasser etwas Geschmack.

– Wasser: Wir hatten 7 Liter jeden Tag dabei und das war auch die Menge, die wir fast immer bis zum Abend verbraucht haben. Weniger würde ich nicht mitnehmen, denn es gibt auch Etappen, wo man mal an weniger Seen vorbei kommt oder einfach mal vergisst das Wasser aufzufüllen. Mit 7 Litern waren wir auf der sicheren Seite, hatten nie zu wenig und selten zu viel dabei. Weniger sehe ich als kritisch an und mehr braucht man nicht unbedingt. Das ganze ist ja auch eine Gewichtsfrage. Wir nutzen zwei sehr dünne Kunststoffblasen mit je 2 Litern Inhalt und 4 Trinkflaschen.

– Kocher: Mein Allesbrenner von Primus hat sich schon auf vielen Reisen bewährt. Wärend wir diese Reise zu Ende gelaufen, wären wir mit dem Benzin nicht hingekommen. Da er aber auch Autokraftstoff, Petroleum und sogar Kerosin verarbeitet ist man sehr unabhängig, diese Brennstoffe findet man fast überall. Mit Gaskartuschen ist das schon schwieriger. Entweder man nimmt genug mit (Gewicht und Müll) oder man muss längere Umwege in Kauf nehmen.

– Unterkünfte: Gibt es auf dem Bohusleden genug. Allerdings ist man dann gezwungen die Etappen so zu laufen, wie die Windschutzhütten stehen. Leider sind die längst nicht alle eingezeichnet oder nicht immer im brauchbaren Zustand oder schon belegt. Man sollte also einen Regenschutz für die Nacht als Backup dabei haben. Die zusammengeknüpperten Ponchos waren dazu nicht geeignet und waren ein Grund für den Abbruch der Reise. Ich bin nun am Überlegen, ob ich zukünftig ein richtiges leichtes Tarp mitnehme oder ne originale Bundeswehr Dackelgarage (hat früher schon auf Reisen komplett ausgereicht). ich werde hier mal die Einsatzmöglichkeit und Platzverhältnisse gegeneinander abwägen und mich dann entscheiden. Ein Zelt scheidet für mich zumindest vorerst aus, da wirklich leichte Zweipersonenzelte sauteuer und bezahlbare einfach zu groß und schwer sind.

Und zum Schluß eine große Bitte. Schweden ist ein herrlich sauberes Land. Auch wenn man hier und da kleine Müllecken findet, so achten doch die allermeisten Schweden offensichtlich darauf, ihren Müll nicht liegen zu lassen. Bitte tut es ihnen gleich und nehmt als Gäste dieser wunderschönen Natur auch euren Müll mit, dazu zählen insbesondere auch Zigarettenkippen und sonstiger Kleinstmüll, der hierzulande oft gedankenlos auf dem Weg entsorgt wird. Belohnt werdet ihr mit weitgehend unberührter und vor allem sauberer Natur! Danke!

Diashow Bohusleden

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